Landwirtschaft

Dünger jetzt einlagern

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Düngemittelexperte DI Andreas Hochgerner analysiert den Düngemittelmarkt (Stand Mitte September 2020): Wie sieht die aktuelle Situation aus, wo liegen die Einlagerungspreise und wie könnten sich die Preise entwickeln?

Die Preise gehen tendenziell wieder nach oben. Das wird sich in den nächsten Wochen voraussichtlich fortsetzen.

Die Preise gehen tendenziell wieder nach oben. Das wird sich in den nächsten Wochen voraussichtlich fortsetzen.

Mit attraktiven Preisen will die Düngemittelindustrie den Handel und die Landwirtschaft dazu bewegen, lange vor dem tatsächlichen Einsatz der Düngemittel im Frühjahr bereits KAS (Kalkammonsalpeter) und NPK (Mehrnährstoffdünger) zu kaufen. Kalkammonsalpeter ist nicht nur in Österreich, sondern in den meisten Ländern Europas der wichtigste Stickstoffdünger. Jedes Jahr wird mit Spannung der neue Einlagerungspreis erwartet.

 

Wie sahen bzw. sehen die aktuellen Rahmenbedingungen aus:

 

Harnstoff, der weltweit wichtigste Stickstoffdünger, beeinflusst als Stickstoffleitprodukt maßgeblich die Preisgestaltung von Kalkammonsalpeter. Die Harnstoffpreise haben im März eine Talfahrt begonnen. Mitte Mai hat ein indischer Tender (öffentliche Ausschreibung über eine große Menge) eine Trendumkehr ausgelöst. Zu KAS-Einlagerungsbeginn Anfang Juni lagen die Harnstoffnotierungen ungefähr 60 US-Dollar unter den Notierungen des Vorjahres.

 

KAS: BILLIGES GAS SORGT FÜR BESTPREISE

Da die Energiekosten mehr als 70 % der Herstellungskosten ausmachen, haben diese unmittelbar den größten Einfluss auf das mögliche KAS-Preisniveau. Die corona-bedingte globale Wirtschaftskrise und der Ölkrieg zwischen Russland und Saudi-Arabien bescherten uns im April und Mai historisch niedrige Erdgaspreise wie zuletzt in den 1970er-Jahren.

 

Das Resultat sind KAS-Einlagerungspreise, die ca. 40 € unter dem Niveau des letzten Jahres liegen und die niedrigsten seit dem Sommer 2009 sind. Der Handel, aber auch die Landwirte, haben dieses sehr attraktive Preisniveau positiv zur Kenntnis genommen und so konnten bereits in den ersten Wochen beachtliche Mengen in Österreich gehandelt werden.

 

Die Industrie hat verständlicherweise auf diese große Nachfrage reagiert, ihre Verkaufsmengen begrenzt und die Preise Schritt für Schritt erhöht. Da die aktuellen Prognosen bei Harnstoff für die nächsten Wochen von einem eher festen Preisniveau ausgehen und auch die Energiepreise seit der Reduktion der Ölfördermenge durch die OPEC sich stabilisiert haben, muss mit weiteren KAS-Preis- erhöhungen gerechnet werden. Die aktuellen Rahmenbedingungen lassen jedoch keine dramatischen Preissprünge erwarten.

 

HISTORISCHES TIEF BEI PHOSPHOR

Bei den Phosphatdüngemitteln wurde von 2010 bis 2019 die weltweite Produktionskapazität von 60 Mio. t auf 71 Mio. t pro Jahr erhöht. Da die Nachfrage in diesem Zeitraum nicht in derselben Größenordnung gestiegen ist, ist es nicht verwunderlich, dass die Preise gehörig unter Druck gerieten. Die Industrie versuchte zwischenzeitlich, dem seit Ende 2018 anhaltenden Trend fallender Preise mit einer Reduktion der Produktionsmengen entgegenzuwirken, konnte jedoch auch dadurch nicht verhindern, dass die DAP-Preise zum Jahreswechsel ein historisches Tief erreichten. Dazu kam noch, dass sich die 3 den europäischen Markt dominierenden Produzenten (Eurochem/ Litauen, Phosagro/Russland, OCP/Marokko) einen Kampf um Marktanteile lieferten.

 

Aktuell besteht eine international große Nachfrage nach Phosphatdüngemitteln, was in den letzten Wochen zu leicht steigenden Preisen geführt hat. Der im Vergleich zum US-Dollar stärkere Euro beschert uns jedoch noch immer sehr attraktive Preise. Diese veranlassten die Lagerhäuser so früh wie noch nie, einen Teil des DAP-Bedarfs für die Frühjahrsanwendung zu kaufen.
 

Auch beim TSP (Triplesuperphosphat) für die Herbstanwendung gibt es Preise, die wir schon lange nicht mehr hatten.

 

KALI: KAUM PREISSCHWANKUNGEN

Kali ist generell der Nährstoff mit den geringsten Preisschwankungen, da die Anzahl der Produzenten überschaubar ist und diese ihre Produktionsmengen so weit wie möglich an den Verbrauch anpassen. In jüngster Vergangenheit ist jedoch Eurochem in die Kaliproduktion in Russland mit 2 neuen Werken eingestiegen. Da auch Kali und Salz 2017 eine neue Produktionsanlage in Kanada eröffnete und auch andere Produzenten schon vorher ihre Produktionsmengen erhöht haben, ist von 2010 bis 2019 die weltweite Produktionskapazität um insgesamt 12 Mio. t von 52 auf 64 Mio. t gestiegen. Das führte zu Marktanteils- und Preiskämpfen zwischen den Anbietern. Aktuell liegen die Preise für 60er-Granulat deutlich unter dem Vorjahresniveau.

NPK: Tiefe Einlagerungspreise

Die Preise aller 3 Hauptnährstoffe liegen deutlich unter den Niveaus der letzten Jahre. Das sorgt für die tiefsten NPK-Einlagerungspreise der letzten 10 Jahre. Die weitere Preisentwicklung ist sehr eng mit dem Preisverlauf von KAS, DAP und 60er-Kali verbunden. Die Erfahrung der letzten Jahre hat jedoch gezeigt, dass die Preissteigerungen bei den Mehrnährstoffdüngern im Laufe der Saison eher moderat ausfallen.

Fazit:

Die heurige Einlagerung begann bei mehr oder weniger allen  Düngemitteln mit den tiefsten Preisen der letzten Jahre, bei einigen Produkten (Diammoniumphosphat) haben wir sogar ein historisches Tief erreicht. Die Aussicht, dass die Preise im Laufe der Saison nach unten gehen, ist daher sehr unwahrscheinlich. Zur Zeit ist das Gegenteil der Fall. Große Nachfrage in den ersten Wochen der Einlagerung und gleichzeitig steigende Harnstoff-Notierungen führten zu kontinuierlichen Preiserhöhungen bei KAS. Dieser Trend sollte sich in  den nächsten Wochen fortsetzen.

 

DI Andreas Hochgerner, RWA, Leiter Abteilung Düngemittel

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