Landwirtschaft

Nutzen Sie die günstigen Düngerpreise

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Die Preise für Düngemittel sind heuer niedrig, wie schon lange nicht (Stand Jänner 2021). Frühes Einlagern hat sich besonders ausgezahlt. Die attraktiven Preise sollten aber auch genutzt werden, um die Bodenvorräte zu verbessern. Eine Analyse von DI Andreas Hochgerner, RWA.

Die niedrigen Preise vieler Düngemittel bieten eine gute Gelegenheit, schlecht versorgte Böden aufzudüngen.

Die niedrigen Preise vieler Düngemittel bieten eine gute Gelegenheit, schlecht versorgte Böden aufzudüngen. © Agrarfoto

Das Wirtschaftsjahr 2020/21 begann im Sommer 2020 mit äußerst attraktiven Düngemittelpreisen. Die Preise für Kalkammonsalpeter lagen ca. 40 € unter denen des Vorjahres und waren die günstigsten seit Sommer 2009. Bei Diammoniumphosphat gab es sogar die tiefsten Preise der letzten 15 Jahre (auf US-Dollar-Basis).

STICKSTOFF: KOSTENFAKTOR ENERGIE

Bei Stickstoffdüngemitteln beeinflussen, neben Angebot und Nachfrage, vor allem die Energiekosten das Preisniveau. Die coronabedingte globale Wirtschaftskrise und der Ölkrieg zwischen Russland und Saudi-Arabien führten im April und Mai zu historisch niedrigen Erdgaspreisen wie zuletzt in den 1970er-Jahren. Das bescherte uns die tiefsten KAS-Preise seit langem und bewirkte bereits in den Sommermonaten eine enorme Nachfrage. Das Kaufinteresse der Landwirtschaft war deutlich größer als in den letzten Jahren und vor allem der Trend zum Big Bag – direkt auf den Hof geliefert – setzte sich weiter fort.

 

Stark steigende Gaspreise ab Anfang August verteuerten jedoch die Produktionskosten der Industrie und veranlassten diese zu kontinuierlichen, jedoch moderaten, Preiserhöhungen bis zum Jahresende. Weitere Preissteigerungen wurden bereits angekündigt. Da mehr oder weniger 3 Produzenten den österreichischen KAS-Markt dominieren (Borealis/Österreich, Duslo/Slowakei, Nitrogenmüvek/ Ungarn) und diese um ihre Marktanteile kämpfen, sollten diese jedoch nicht allzu groß ausfallen.

 

Die Harnstoffpreise haben Mitte Mai ein Jahrestief durchschritten und sind seither deutlich gestiegen, mehrmalige kurze Preisschwächen wurden regelmäßig von großer Nachfrage aus Indien kompensiert. Durch die sehr attraktiven KAS-Preise war Harnstoff im gesamten zweiten Halbjahr 2020 eigentlich nicht wirklich interessant.

PHOSPHOR: INTERNATIONAL GEFRAGT

Der Sommer des Vorjahres bescherte uns historisch tiefe DAP-Preise. Diese bewegten die Lagerhäuser bereits sehr früh, einen Großteil des Frühjahrsbedarfs zu kaufen. International große Nachfrage führte in den Folgemonaten zu kontinuierlichen Preiserhöhungen. Der ab Mitte Juli schwächer gewordene US-Dollar hat im Euroraum die Preisanstiege etwas gedämpft. Gegen Jahresende waren die Verfügbarkeiten von DAP in Mitteleuropa deutlich eingeschränkt, da ein angekündigter nicht unerheblicher Importzoll der USA für russische und marokkanische Phosphatdünger ab März 2021 die Industrie veranlasste, bis dahin große Mengen in den amerikanischen Markt zu pumpen.

 

NPK: PREISERHÖHUNGEN ZU ERWARTEN

Da auch die Kalidüngemittel, und hier vor allem das 60er-Granulat, so günstig wie schon viele Jahre nicht mehr waren, waren die NPK-Preise zu Einlagerungsbeginn deutlich unter den Niveaus der letzten Jahre. Die Preisanstiege fielen seitdem sehr moderat aus, da billige Importware bisher keine großen Preiserhöhungen zuließ. Je näher wir jedoch zur Frühjahrsanwendung kommen, desto geringer wird der Importdruck. Diese Tatsache könnte es der heimischen Industrie ermöglichen, bei entsprechender Nachfrage auch kräftigere Preissteigerungen am Markt durchzusetzen.

Fazit:

Das Düngerjahr 2020/21 beschert uns, obwohl KAS und Phosphatdüngemittel seit Sommer deutlich gestiegen sind, bei mehr oder weniger allen Produkten sehr günstige Nährstoffpreise. Alle, die bereits sehr früh einen Großteil ihres  Düngerbedarfs gekauft haben, haben richtig entschieden und keinen Fehler gemacht. Vor allem Phosphat- und Kalidüngemittel sind so billig wie schon lange nicht mehr. Im Hinblick auf die „Farm to Fork“-Strategie im Rahmen des Green Deals der EU, welche eine drastische Reduktion des Düngemitteleinsatzes bis 2030 vorsieht, sollten die aktuell attraktiven Preise genutzt werden, um die teilweise regional schlecht versorgten Böden mit Kali und Phosphat wieder aufzudüngen und so in das Kapital Boden und Fruchtbarkeit zu investieren. Zu einem späteren Zeitpunkt wird das – fürchte ich – nicht mehr so leicht möglich sein.

 

DI Andreas Hochgerner, RWA, Leiter Abteilung Düngemittel

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