Landwirtschaft

"Zukunft Erde": So fördern Sie den Humusaufbau

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„Zukunft Erde“ ist ein neues Programm der Lagerhäuser und der RWA Raiffeisen Ware Austria mit dem Ziel, den Humusaufbau in landwirtschaftlichen Böden zu forcieren.

Zukunft Erde unterstützt Sie dabei, die Bodenfruchtbarkeit durch Humusaufbau zu erhöhen.

Zukunft Erde unterstützt Sie dabei, die Bodenfruchtbarkeit durch Humusaufbau zu erhöhen.

Mit "Zukunft Erde" Humus aufbauen und profitieren

Mit dem Programm "Zukunft Erde" haben Sie nun die Möglichkeit doppelt zu profitieren:

  • Zum einen durch eine gesteigerte Bodenaktivität und verbesserter -fruchtbarkeit,
  • zum anderen durch eine finanzielle Gegenleistung für den gebundenen Kohlenstoff im Boden.

Nach der Anmeldung (via Onfarming oder im Lagerhaus) zieht das Lagerhaus Bodenproben-Team je max. 5 ha eine Bodenprobe und analysiert den Humusgehalt und auf Wunsch weitere Parameter. Nach frühestens 3 Jahren kann die zweite Probe erfolgen und der Humusgehalt wird erneut ermittelt. Sollte Humusaufbau – und damit die Bindung von CO2 – erfolgt sein, erhalten Sie dafür eine finanzielle Gegenleistung. Die Höhe ist abhängig vom zukünftigen Vermarktungspreis für CO2-Zertifikate zum jeweiligen Zeitpunkt. Ein Drittel der Auszahlung wird einbehalten und erst nach einer dritten Beprobung (wieder frühestens 3 Jahre später) ausbezahlt, sofern der Humusgehalt gehalten oder weiter ausgebaut wird. Sollte Humus wieder abgebaut werden, entfällt die restliche Zahlung.

Humus wirkt sich positiv auf das Klima aus

Der Humusaufbau in landwirtschaftlichen Böden gelingt, indem Landwirte bei der Generierung von Humus nicht nur von gestärkten Böden profitieren, sondern zusätzlich im Rahmen des Programms aufgebauten Humus in CO2-Zertifikate umwandeln. Diese Zertifikate können von Unternehmen erworben werden, die sich klimaneutral stellen möchten. Dieser Prozess ist für Landwirte ein zusätzlicher Anreiz Humus aufzubauen und damit ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.

Was ist Humus?

Humus wird als fruchtbare Erde bezeichnet und befindet sich in der obersten Schicht des Bodens. Er besteht aus vielen verschiedenen organischen Verbindungen von Pflanzen (Wurzel- und Erntereste, Wurzelausscheidungen) und Mikroorganismen (Mikroorganismen-Ausscheidungen und tote Mikroorganismen), die im Boden stabilisiert werden. Humus trägt zur Wasserspeicherung und Nährstoffversorgung der Pflanze bei und bindet zusätzlich noch CO2. Definiert ist Humus als organischer Kohlenstoff im Boden, jedoch wird er erst durch die Verbindung mit dem Mineralboden als Ton-Humus-Komplexe oder in Bodenaggregaten gegen weiteren Abbau stabilisiert.

Was passiert beim Humusaufbau?

Die grüne Pflanze ist das einzige Lebewesen, welches in der Lage ist, CO2 aufzunehmen und in Zucker bzw. später in organische Masse, wie Blätter, Wurzeln, Holz oder Früchte umzuwandeln. Sogar der Mensch ist mit all seinem Wissen und technischen Möglichkeiten nicht in der Lage dazu. Stirbt die organische Masse ab, wird sie durch Pilze, Bakterien und kleinen Lebewesen zerlegt und abgebaut. Der enthaltende Kohlenstoff (C) wird wiederum zu CO2 umgewandelt und in die Atmosphäre abgegeben. Auf diesem Abbaupfad kann der organische Kohlenstoff jedoch in verschiedenen Humuspools stabilisiert werden (z.B. an Tonoberflächen oder in Bodenaggregaten). Der im Boden vorhandene Humus besteht aus 58 % Kohlenstoff. Gelingt es, den Humusgehalt im Boden langfristig zu steigern, wird damit auch mehr an Kohlenstoff langfristig gespeichert und gelangt nicht als CO2 in die Atmosphäre. Humusaufbau bedeutet also, dass ein Teil des Kohlenstoffs, der in der Pflanze gebunden wurde, nicht wieder freigesetzt, sondern stabil im Boden, vor allem an Ton- und Schluffoberflächen, Eisenoxiden und in Bodenaggregaten gespeichert wird.

Wie funktioniert der erfolgreiche Humusaufbau?

  • Vielfalt in der Fruchtfolge: Ziel ist es, anstelle von engen Fruchtfolgen die Pflanzenvielfalt zu erhöhen und den Boden möglichst lange bewachsen zu halten. Dies ist gleichbedeutend mit der Erhöhung der Wurzelvielfalt und Förderung der Bodenmikrobiologie. Das ist eine Grundvoraussetzung, damit im Boden effizient Humus aufgebaut werden kann. Wichtig dabei ist, die optimale Abfolge der Feldfrüchte aufeinander abzustimmen und zu wissen, welche Kulturen humuszehrend und humusmehrend wirken.
    • humusmehrend: Ackergras, Klee, Körnerleguminosen, Luzerne, Sonnenblume, Lein
    • humuszehrend: Zwiebel, Zuckerrübe, Kartoffel, Silomais, Feldgemüse, Getreide
  • Zwischenfrüchte anbauen & dauerhaften Bewuchs fördern: Vielfältige Zwischenfruchtmischungen sind eine entscheidende Voraussetzung für den Humusaufbau. Nur durch sie ist es möglich, die Zeiten zu minimieren, in denen der Boden keine Pflanzendecke trägt und damit der Abbau von organischem Bodenkohlenstoff nicht durch Zufuhr ausgeglichen wird. Zwischenfrüchte sind für Mikroorganismen leicht abbaubares Material. Werden mehrere Kulturen gleichzeitig angebaut und können gleichzeitig wachsen, erhöht sich die Wurzelvielfalt und das vielfältigere Nahrungsangebot bewirkt eine höhere Diversität beim Bodenleben, das zum Humusaufbau beiträgt. Immer, wenn die Fruchtfolge ein Zeitfenster ermöglicht, wo man Begrünungen anbauen kann, sollte man das tun. Das Ziel ist eine maximale Photosynthese-Leistung.
  • Effekte von Leguminosen nützen: Der Boden kann nur im begrünten Zustand etwas leisten. Durch den Einsatz von Leguminosen (kleeartige Futterpflanzen wie Weißklee, Wiesenrotklee, Wiesenplatterbsen, Wicken, Ackerbohne, Sojabohne) wird dies unterstützt, da diese dafür sorgen, dass Humus aufgebaut wird und gleichzeitig Stickstoff gebunden wird. Auch die Vielfalt der Mischung hat große Bedeutung, da jede Komponente eine besondere Rolle spielt.
  • Schonende Bodenbearbeitung: Eine schonende Bodenbearbeitung, nicht wendend und Direktsaat sichern eine stabile Bodenstruktur und können den Humusgehalt in der oberen Krume erhöhen. Stabile Bodenkrümel ermöglichen eine rasche Wasseraufnahme und schützen vor Erosion. In verdichteten Böden ist kein Humusaufbau möglich.
  • Pflanzenernährung und Düngermaßnahmen: Humusaufbau braucht gut wüchsige Pflanzen und damit eine ausgeglichene Pflanzenernährung. Wird durch organische Düngung mit den Nährstoffen auch organischer Kohlenstoff geliefert, ist der Effekt am höchsten. Auch ein hoher Anteil an Stickstoff in organischer Bindungsform fördert die mikrobielle Biomasse im Boden. Mykorrhiza und Mikroben könnten die Pflanze nahezu vollständig mit Stickstoff und Phosphor versorgen. Mit regelmäßigen Kompostausbringungen etwa kann der Humusaufbau unterstützt werden. Dazu kommen eine erhöhte Wasserspeicherkapazität und Anreicherung von Nahrung für Regenwürmer und Bodenorganismen sowie eine bessere Wärme-Absorbierung und -speicherung, da der Boden dadurch dunkler wird. 

 

Zeitverlauf von der 1. bis zur 3. Bodenprobe.

Zeitverlauf von der 1. bis zur 3. Bodenprobe.

Produkte die den Humusaufbau fördern:

Häufig gestellte Fragen:

  • Welche Flächen können an Zukunft Erde teilnehmen?
    Am Programm Zukunft Erde können alle landwirtschaftlichen Flächen der Nutzungsart Ackerland und Grünland teilnehmen. Die Flächen müssen im Mehrfachantrag der AMA gelistet sein.
  • Wie melde ich meine Flächen zur Teilnahme an Zukunft Erde an?
    Die Anmeldung ist über onfarming unter der Kategorie „Dünger“ – „Bodenproben“ möglich. Alternativ ist die Anmeldung im Lagerhaus vor Ort mittels Anmeldeblatt möglich.
  • Was ist nach der Anmeldung zu tun?
    Nach der Anmeldung erhalten Sie im Normalfall binnen 14 Tagen eine Annahme des Anbots durch die RWA. Das RWA-Bodenprobenteam meldet sich zur Terminvereinbarung für die Bodenprobenziehung. Sollten Sie die Anmeldung im Lagerhaus durchgeführt haben, ist die Übermittlung der AMA Mehrfachantrag-Feldgrenzen als .shp-Datei via Mail an bodenprober notwendig. Bei Anmeldung via Onfarming entfällt dieser Schritt.
  • Welche Kosten entstehen durch die Teilnahme?
    Die Eintragungsgebühr für Zukunft Erde beträgt einmalig 20 Euro inkl. USt (bei Anmeldung via Onfarming) oder 100 Euro inkl. USt. (bei Anmeldung im Lagerhaus) je Bodenprobe. Eine Bodenprobe gilt für maximal 5 Hektar. Zusätzlich fallen die üblichen Kosten für die Bodenprobenziehung und -analyse an. Preise und nähere Infos erhalten Sie im Lagerhaus oder auf onfarming.
  • Wie erfolgt die Bodenprobenziehung?
    Die Bodenprobenziehung wird mittels Bodenproben-Pickup oder -Quad nach vorheriger Terminvereinbarung durchgeführt. Die Einstichpunkte werden mittels GPS aufgezeichnet um bei den folgenden Proben exakt dieselben Punkte erneut zu beproben. Wir bitten um Verständnis, dass im Sinne der Transparenz von Zukunft Erde keine Personen bei der Bodenprobenziehung am Feld anwesend sein dürfen. Die gezogenen Proben werden von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) analysiert.
  • Wann findet die Bodenprobe statt?
    Die Bodenprobenziehung findet nach Terminvereinbarung ganzjährig statt. Die Bedingungen müssen Pflugarbeit zulassen. Sollte die Witterung nicht passend sein, wird ein Alternativtermin vereinbart.
  • Kann ich mit einer bereits erfolgten Bodenprobe teilnehmen?
    Wir bitten um Verständnis, dass bereits erfolgte Bodenproben nicht nachträglich in die Humusdatenbank eingetragen werden können.
  • Wo erhalte ich nähere Informationen zum Humusaufbau?
    Nähere Informationen zum Humusaufbau erhalten Sie durch Ihren Lagerhaus-Berater oder in den Teilnahmebedingungen für "Zukunft Erde".
  • Welche Produkte kann ich zur Erhöhung des Humusgehalts verwenden?
    Der Aufbau von organischer Substanz bzw. Humus ist ein komplexer Vorgang. Ein abgestimmtes Boden-, Dünge-, Fruchtfolge- und Zwischenfruchtmanagement kann durch Produkte aus Ihrem Lagerhaus ergänzt werden. Bei spezifischen Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Lagerhaus-Berater vor Ort.
  • Was passiert, wenn ich nach der zweiten Bodenprobe den Humusgehalt nicht steigern konnte oder sogar Humus abgebaut wurde?
    Sollte kein Humusaufbau erfolgt sein, kann das verschiedene Ursachen haben. Der Aufbau von organischer Substanz bzw. Humus ist ein komplexer Vorgang. Bitte nehmen Sie Kontakt zu Ihrem Lagerhaus-Berater auf, um mögliche Gründe zu diskutieren. Seitens Zukunft Erde findet keine Entschädigung statt. Es bestehen keinerlei Verpflichtungen für Zahlungen für beide Seiten.
  • Wie hoch ist der Preis für die Humuszertifikate? Wieviel erhalte ich ausbezahlt?
    Der Preis für die Humuszertifikate richtet sich nach dem Marktwert zum jeweiligen Zeitpunkt. Das Unternehmen auf, welches das Humuszertifikat (Herkunftsnachweis) ausgestellt wurde, wird den Gegenwert in Euro an die RWA bezahlen. Von diesem Gegenwert erhält die RWA 30 % („Verwaltungsgebühr“) und die übrigen 70 % werden als ergebnisabhängige Entschädigung („Entschädigung“) gemäß den Teilnahmebedingungen an den Teilnehmer ausbezahlt.

    Die Überweisung erfolgt bis 31.12. des laufenden Kalenderjahres. Nach der zweiten Bodenprobe und nachgewiesenem Humusaufbau werden im ersten Schritt zwei Drittel (abzüglich 0,2 %-Punkte Messtoleranz) des aufgebauten Humus in Zertifikate umgewandelt. Sollte der Humusgehalt bei der dritten Probe gehalten bzw. ausbaut werden, erfolgt die Auszahlung des verbleibenden Drittels.

    Nähere Informationen finden Sie in den Teilnahmebedingungen für Zukunft Erde.

Fragen Sie Ihren Fachberater

JOHANN MEYER
Betriebsleiter
Standort Schwadorf
Geschäftsbereich Agrar
Raiffeisen-Lagerhaus GmbH
ANTON KÖGL
Verkaufsberatung
Standort Schwadorf
Geschäftsbereich Agrar
Raiffeisen-Lagerhaus GmbH
Fax: 02230/2235 2829
BERND JOST
Betriebsleitung Agrar
Standort Bruck/Leitha
Geschäftsbereich Agrar
Raiffeisen-Lagerhaus GmbH
Fax: 02162/210 35
HERMINE KOPPITSCH
Verkaufsberatung
Standort Bruck/Leitha
Geschäftsbereich Agrar
Raiffeisen-Lagerhaus GmbH

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