GAP Reform – In welche Richtung geht´s in Deutschland?

Nachricht vom 22.03.2021

Bis Ende des Jahres müssen die einzelnen Staaten der EU-Kommission ihre jeweiligen Pläne vorlegen. Dabei überrascht die Diskussionskultur der einzelnen Länder. Während Deutschland, konkret das BMEL (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) sehr offen und transparent über die deutschen Pläne berichtet, ist das österreichische Ministerium wesentlich zurückhaltender.

Überraschend oder nicht: Deutschland  prescht mit Degression und Umverteilungsplänen vor. Freilich ist die Ausgangslage zu Österreich eine wesentlich andere. Im Osten Deutschlands die Großbetriebe und im Westen die Kleinbetriebe, alle dennoch im Durchschnitt vielfach größer als die  „Kleinbauern“ der  österreichischen Nachbarn.

Die Degression setzt ab € 60.000 Prämienvolumen, also bei ca. 200 ha, ein. Über € 60.000 wird um 5% gekürzt und über € 100.000 um 10%. Die Geldbeträge bleiben jedoch in den jeweiligen  Bundesländern.

Innerhalb des Agrarsystems sollen 10% der Fördergelder von groß zu klein umgeschaufelt werden, also von ostdeutschen Großbetrieben zu den bayrischen Familienbetrieben. Bis 40 ha gibt es einen Zuschlag von € 62/ha und von 41 – 60 ha einen um € 37/ha. D.h. deutsche „Kleinbauern“ erhalten im Grunde demnach zukünftig wesentlich höhere Flächenprämien als ihre österreichischen Nachbarn.

Aus der ersten Säule (Flächenprämien) wird Deutschland im ersten Jahr 6% und später 8% nehmen, um die Beträge in Form der „erweiterten Konditionalität“  zur Ökologisierung der Landwirtschaft zu verwenden. Deutsche Bauern sollten also zukünftig 3% nichtproduktive Flächen sowie Landschaftselemente vorhalten. Dazu kommen noch die „Eco Schemes“, also erweiterte Umweltauflagen. Insgesamt reserviert man aber  20% der Agrarzahlungen für Umwelt- und Klimaleistungen. An was denken die Deutschen?

• an Stilllegungen über die 3% (siehe oben) der Fläche hinaus

• an Blühstreifen und Blühinseln

• an verstärktem Leguminosenanbau, um  eine bessere Eiweißdeckung in Europa  zu erreichen

• an extensives Dauergrünland (entweder mit weniger Viehbesatz oder weniger Mähfrequenz)

• an Weideprämien

• und an Agroforstsysteme, also überschattete Landwirtschaftsflächen gegen die zunehmende Trockenheit

Und sie ermuntern mit 2% der jährlichen Fördergelder  oder 98 Millionen Euro junge Bauern zum Einstieg in die Landwirtschaft.

Freilich müssen obige Ideen erst im Trilog  von EU-Kommission, Agrarrat und Europaparlament abgesegnet    werden. Und,- der deutsche Bundestag muss die Vorschläge in nationales Recht gießen.

 

Rudi Grünanger, März 2021